Am 5.11.2001 las der vom GCE
eingeladene Jugendbuchautor Klaus Kordon in der Stadthalle Bayreuth.
"Geschichte von unten" durch fünf Generationen
Viel Beifall für den Jugendbuchautor Klaus Kordon im Kleinen Haus der
Stadthalle
BAYREUTH
Von Eva Bartylla (Nordbayerischer Kurier)
Es knistert im Gebälk der Historie. Geschichte erwacht, fängt an, prickelnd zu leben,
bannt mit dem Spannungsbogen einer allgegenwärtig menschlichen Aktualität. Wenn Klaus
Kordon zu erzählen beginnt, zählt er der Zeit den Takt und die Stunde. Der Zuhörer
taucht ein und ab in seine Geschichten. Klaus Kordon, einer der renommiertesten
Jugendbuchautoren, war auf Einladung des Gymnasium Christian-Ernestinum nach Bayreuth
gekommen. Dort las er aus dem mittleren Band seiner Trilogie über das Schicksal einer
Berliner Familie, die er auf 1500 Seiten durch fünf Generationen in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts begleitet. Viele von den jungen und älteren Zuhörern im Kleinen
Haus der Stadthalle musste er nicht mehr überzeugen.
Die
anderen zog er in zwei Stunden Lesung und Gespräch auf seine Seite. Das
Überzeugungspotenzial ist seinen Themen nicht unbedingt immanent. Es ist das Verdienst
eines hervorragenden Erzählers und humanistisch gesinnten Moralisten, der ohne erhobenen
Zeigefinger die Botschaft von der Schönheit einer friedvollen Welt transportiert, in der
Menschen jenseits von oberflächlichem Fun-Gehabe mit Liebe und Lust zusammenleben. In dem
Band Mit dem Rücken zur Wand" widmet sich Kordon diesem schwierigen Stoff aus
der Sicht eines 15-jährigen Jungen, Hans Gebhardt. Geschichte kommt ja nicht von
irgendwoher", sagt Kordon, Geschichte ist wie ein Bauwerk. Wer wissen will, was
1933 geschehen ist, der muss wissen, was 1918 war."
In diesem Sinne vermittelt er politische Bildung
und ein Be- wusstsein von Zusammenhängen auf eine höchst unterhaltsame und kurzweilige
Art als Geschichte von unten" ganz im Tenor eines Bemt Engelmann. Er führt
seinen Leser ins Berlin des Jahres 1932. Es ist der erste August und der erste Arbeitstag
von Hans Gebhardt. Hansi ist ein wohl sportlicher, aber eher unpolitischer junger Mann,
der durch die Ereignisse persönlich und hautnah gezwungen wird, Stellungen zu beziehen,
und seine Überzeugung schließlich mit dem Leben bezahlt. Bis hinein in seine
Nebenfiguren bleibt Kordon dem Prinzip treu, Farbe zu bekennen und Missstände
anzuprangern. Die Glaubwürdigkeit liegt in seiner Person, seiner Biografie, der Erfahrung
eines weit gereisten Berliners mit Leib und Seele und einer unbedingten, in jedem seiner
Bücher nachprüfbaren Integrität, die ihm seine Liebe für die kleinen Leute"
und sein Hang zu Gerechtigkeit eingebracht hat.

Die
Mitarbeiter der Schülerzeitung "Grünschnabel" führten ein Interview mit dem Autor.