Deutsch am GCE: Interview

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Inhalt

Der Jugendbuchautor Klaus Kordon im Interview

 

Klaus Kordon wurde 1943 in Berlin/Ost geboren. Heute ist er Jugendbuchautor und baut in seine Romane oft Geschichten aus seiner eigenen erlebnisreichen Jugend ein. Seine Bücher werden in verschiedene Sprachen

übersetzt und er kann sich vieler Literatur-Preise rühmen.

Auf Einladung unserer Schule hin las er im Herbst im Kleinen Haus der Stadthalle aus seinen Büchern. Vor der Veranstaltung stellten ihm zwei unserer Grünschnabel-Redakteure verschiedene Fragen zu seiner Arbeit. Nach vielem Überarbeiten und Kürzen kam folgendes Interview heraus:

 

GS: Was fasziniert Sie so am Schreiben?

Kordon: Oh, da gibt es vieles. Das Faszinierende am Schreiben ist das Eintauchen in völlig fremde Welten. Ich habe einen Roman aus der Sicht eines indischen Mädchens geschrieben. Obwohl ich nie ein indisches Mädchen war, musste ich aus ihrer Sicht erzählen. Also tauche ich ein in ein ganz anderes Land, in einen anderen Kontinent in ein ganz anderes Schicksal. Ich brauche zu allem viel Phantasie und muss mich in diese Menschen hineinversetzen können.

 

GS: Haben Sie all das, wovon sie schreiben, schon selber erlebt?

Kordon: Nein, ich war nie ein indisches Mädchen. Ich kann nicht alles selbst erlebt haben. Aber beim Schreiben muss ich die Geschichte miterleben können. Ich muss in meine Figuren hineinkriechen, sonst kann ich sie nicht darstellen. Das Faszinierende dabei ist das Abtauchen. Beim Schreiben bin ich immer völlig weg. Trotzdem muss man aber genug Abstand haben, um das, was man schreibt, danach auch selbst überprüfen zu können. Sicherlich braucht man dazu Talent - nicht jeder kann so nah und doch fern schreiben -, aber ich kann es. Es gibt aber noch viele andere Autoren, die das auch können.

 

GS: Überlegen Sie erst, bevor sie ein Buch über ein bestimmtes Thema schreiben, ob es die Leser interessiert?

Kordon: Also ich will schon, dass es die Leser interessiert, aber viel wichtiger dabei ist erst einmal, dass es mich selbst interessiert. Wenn mich das Thema nicht interessiert, kann es die Leser auch nicht interessieren. Ich schreibe ja schließlich auch manchmal über Dinge, die liegen nicht gerade in der Luft. Mich erstaunt es aber immer wieder, wie viele Jugendliche dann doch Bücher, z.B. über die Weltkriege, lesen.

Wenn ich ein Buch schreibe, möchte ich aber auch in erster Linie selber etwas dabei lernen. Beim Schreiben mache ich Erfahrungen, lerne dazu, werde mir über einiges klar, und auch das ist für mich der Reiz beim Schreiben.

Aber natürlich möchte ich auch, dass meine Bücher gelesen werden.

 

GS: Warum schreiben Sie eigentlich Bücher für Jugendliche und Kinder und nicht für Erwachsene?

Kordon: Zunächst einmal finde ich, dass man vielleicht noch zwischen Kinder- und Jugendbüchern, nicht aber zwischen Jugend- und Erwachsenenbüchern differenzieren kann. Der einzige große Unterschied ist, dass man bei Jugendlichen nichts voraussetzen darf. D.h., ich muss das Wissen so in die Romanhandlung einbauen, dass sie nicht das Gefühl haben, belehrt zu werden.

Aber trotzdem noch dazu: Ich schreibe deshalb hauptsächlich für Kinder und Jugendliche, weil ich diese Generation als das wichtigste Publikum sehe. Deswegen sind meine Haupthelden auch immer Kinder oder Jugendliche. Denn Kinder und   Jugendliche kommen immer wieder neu in die Welt hinein. Sie lernen ihre Umgebung kennen, sehen, wie sie ist, sind nicht immer begeistert davon und manchmal möchten sie etwas ändern. Ich finde es eine ganz wichtige Aufgabe, gerade diesen jungen Leuten zu zeigen, was man ändern kann.

 

GS: Haben Sie zu einem ihrer Bücher eine besondere Verbindung?

Kordon: Zu jedem Buch habe ich irgendeine Verbindung, aber es gibt drei Bücher, die liegen mir besonders am Herzen. In diesen drei Frank - Büchern schildere ich meine eigene Kindheit.

Aber das sind nicht meine drei wichtigsten Bücher. Es gehört ja viel mehr dazu, so etwas wie eine Trilogie zu schaffen.

 

GS: Bereuen Sie , dass Sie erst andere Berufe ausübten, bevor Sie Schriftsteller wurden?

Kordon: Man kann ja schlecht von der Schule abgehen und sagen: Ich werde jetzt Schriftsteller. Ich denke, das wäre auch gar nicht gut. Es gibt sicherlich Genies, die mit 18 oder 20 Jahren schon etwas Großes schaffen, aber die meisten Autoren, die ich kenne, haben erst einmal etwas erlebt und es dann aufgeschrieben. Deswegen finde ich es ganz gut, dass ich erst alles Mögliche gemacht habe und dann Exportkaufmann geworden bin. Denn alles das konnte ich später in meinen Romanen einmal gebrauchen und mit einbauen. Es ist viel einfacher, etwas zu schildern, was man selbst erlebt hat, als etwas, was man sich nur angelesen hat.

Wichtig ist das, denke ich, auch bei meinen Büchern, die in Indien spielen. Heute kann man nicht mehr über Amerika und die Indianer schreiben, ohne jemals da gewesen zu sein, wie Karl May. Denn heute können die Leute ja auch mehr reisen und würden das merken.

Ich habe Indien ja nicht nur einmal in meinem ehemaligen Beruf als Exportkaufmann besucht, sondern viele, viele Male. So kenne ich das Land sehr gut und liebe es auch irgendwie, trotz aller seiner Probleme. Jetzt  kann ich auch darüber schreiben.

 

GS: Haben Sie einen Lieblingsautor?

Kordon: Viele, viele, viele. Wenn man seit fast 50 Jahren liest, hat man nicht einen Lieblingsautor, sondern vielleicht 100. Würde ich da jetzt anfangen, aufzuzählen, würden wir heute kein Ende finden. Nach einigem Nachbohren hat er doch angefangen aufzuzählen, und er hat wirklich fast kein Ende gefunden)

 

GS: Können Sie ihre Bücher irgendeinem Stil zuordnen?

Kordon: Die meisten Bücher sind realistisch geschrieben, aber ich mache immer wieder Ausflüge. Es gibt von mir auch märchenhafte oder satirische Geschichten. Ich hab auch Hörspiele oder etwas fürs Fernsehen gemacht. Eigentlich mache ich fast alles, aber am liebsten schreibe ich Romane und ich würde sagen, am besten und wichtigsten sind die realistischen.

 

GS: Schreiben Sie immer noch Gedichte?

Kordon: Wenn mir eines einfällt. Gedichte kann man ja nicht einfach so aus dem Arm schütteln. Früher habe ich öfters welche geschrieben, heute fließt, denke ich, vieles von meinen Ideen in die Romane.

 

GS: Haben Sie ein Buch in Arbeit?

Kordon: Ich habe immer eines in Arbeit.

Vom Verlag habe ich schon gehört, dass es gut geworden ist. Es handelt von meinen ersten 30 Jahren, in denen ich sehr viel erlebt habe. Über den Titel sind wir uns noch nicht ganz einig, aber das Buch wird im Herbst erscheinen.

 

GS: Wollen Sie den Schülern jetzt zum Schluss noch irgendetwas mit auf den Weg geben?

Kordon: Bei mir gibt es eigentlich nicht so eine Message in zwei Worten. Zusammenfassend kann ich nur sagen:  Interessiert euch!

Für die Vergangenheit, für die Zukunft und für euch selbst.

 

GS: Danke für das Interview!

Caroline Mehnert, Katharina Kohler

Carolin Mehnert und Katharina Kohler im Gespräch mit Klaus Kordon.

 

 

Klaus Kordons Haupthelden in seinen Büchern sind meist Kinder und Jugendliche.

Fotos: Eva Bartylla, NK

 

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